Die Vernichtung der Juden Europas und anderer Bevölkerungsgruppen wie der Sinti und Roma, politischer Gegner, Homosexueller, Behinderter sowie von als „asozial“ Eingestuften, die Hitler als „lebensunwert“ betrachtete, geschah in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern auf dem Weg extrem schlechter Behandlung, auf dem Weg der Erschöpfung durch Hunger, Arbeit, Prügel, Frieren, Fehlen jeglicher Gesundheitsfürsorge.
Doch das reichte für die Verwirklichung der Absicht der Nazis nicht aus. So wurden schnell verschiedene Experimente zur „massenhaften Ermordung“ angestellt, um die Frage zu beantworten, wie man in möglichst kurzer Zeit Millionen von Menschen tötet und ihre Leichen verschwinden lässt. Die Ergebnisse dieser Versuche wurden Himmler übermittelt, der sie in Lagern umsetzen ließ, die so zu Vernichtungslagern wurden : Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Belzec, Chelmno, Majdanek. So wurde das Verfahren des Erstickungstodes durch LKW-Abgase schon im Dezember 1941 in Chelmno zur „Liquidierung“ des Getto von Lodz eingesetzt. Diese Lager waren zu Todesfabriken geworden, „Tovarna na smart“ (tsch.), „usines de mort“ (frz.), für deren Arbeit man Personal brauchte. Das waren die Sonderkommandos (SK).
Bei ihrer Ankunft in den Vernichtungslagern wurden die von den Transporten zumeist aufs Äußerste geschwächten Deportierten sofort einer „Selektion“ unterzogen. Das bedeutete, sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die, die sofort in die Gaskammern und dann in die Verbrennungsöfen kamen, und die, die diesen Weg noch nicht gingen. Der ersten Gruppe teilten die SS-Ärzte alle physisch schwachen Personen zu, größtenteils die Frauen, die Kinder und die alten Leute. Die zweite Gruppe – meist nur ein verschwindend geringer Bruchteil der Ankömmlinge – wurde auf verschiedene Arbeitskommandos verteilt, gelegentlich unter Berücksichtigung der persönlichen Fähigkeiten der Deportierten. Aus dieser Gruppe wurden die jungen und starken Männer den Sonderkommandos zugewiesen. Die Schutzfunktion mehrdeutiger Formulierungen, hinter denen sich die Gräueltaten der Nazis verbargen, sind bekannt. So wurde den „Sonderkommandos“ der Vollzug der „Sonderbehandlung“ auferlegt, durch welche die „Endlösung der Judenfrage“ erreicht werden sollte. Ein Sonderfall waren diese Kommandos damit ganz sicherlich.
In Auschwitz und dann Birkenau haben diese Männer zu ihrem Entsetzen ihre Arbeitsplätze entdeckt, die Krematorien, bestehend aus dem Entkleidungsraum, den Gaskammern und den Verbrennungsöfen. Oft waren gleich die ersten Stunden von einer unvorstellbaren Heftigkeit, denn sie waren gezwungen, ihre Frauen, Schwestern, Angehörigen und Freunde aus den Gaskammern zu zerren und einzuäschern. Kein Mitglied der Sonderkommandos hätte überleben sollen: Sie wurden ohne Weiteres „liquidiert“ und von einer Selektion unter den Neuankömmlingen ersetzt, deren erste Arbeit darin bestanden hätte, die Leichen ihrer Vorgänger zu beseitigen. Keiner durfte überleben, denn sie wussten zu viel. Ihre Berichte sind für uns heute – oder sollten es sein? – umso wertvoller, als kein anderer überliefern kann, was sie wissen. Aber ihnen hat man den Vorwurf gemacht, dass sie das waren, wozu man sie gezwungen hat.
Wie sollte man nach der tiefen Nacht der Lager wieder ins Leben zurückkehren? Wie wieder ein Mensch werden, der vor sich selbst besteht wie auch in den Augen der anderen, zumal, wenn diese ihnen die Schuld geben an den Gräueln, die sie selbst durchlebt haben, oder sie in eine Reihe stellen mit den Kollaborateuren der Vernichtung und der Henker. Wie erträgt man sich selbst angesichts dessen, was man unter Zwang tun musste? Wie erträgt man die Bilder des Grauens, die einen auf ewig heimsuchen und allein schon deren Vorstellung man sich schämt, deren Schreien kein Kopf aushält, die anzuhören keiner erträgt, niemand hat dazu die Kraft, sie gar auszusprechen fehlt einem die Kraft, man könnte es auch gar nicht, denn hierzu fehlen – so scheint es – die Worte?
Dieser Internet-Seite geht es also ganz besonders um diese Menschen. Sie ist so aufgebaut, dass verstreut vorliegende Kenntnisse über menschliche und materielle Aspekte der Sonderkommandos zusammengestellt und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Aus dem weiten Gesamtgebiet, das die Shoah nun einmal für das Forschen und Denken aller darstellt, beschränkt diese Seite sich auf den genannten Bereich. Ich möchte mit ihr alles erfahren, was dazu geäußert worden ist, möchte zu begreifen suchen alles, was begriffen werden kann, möchte meinen winzig kleinen Stein auf das Grab und die Asche dieser unendlichen Leidensgeschichte legen. Zuhören und begreifen.
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